über mich

Auf Ærø im Sommer 2020. Ein bisschen scheu.

Moin.
Ich heiße Bendix.
Es gibt vieles, was ich mag.
Und es gibt einiges, was ich nicht mag.

Ich mag Musik.
So sehr, dass ich vielleicht eines Tages ein Konzeptalbum mit dem Titel Save My Soul schreibe, bei dem es nur darum geht, wie wichtig die Musik im Allgemeinen und einige Musiker*innen im Speziellen für mich waren und sind.
Ich habe das große Glück, dass meine Eltern mich immer gefördert und mir immer ermöglicht haben, Musik zu machen, nicht zuletzt durch jahrelangen Musikunterricht (zuerst Akkordeon-, später lange Klavier- und Schlagzeug- und schließlich auch Gesangsunterricht) und in Form von Musikinstrumenten.

Ich mag Menschen.
Genauer gesagt: Ich mag sehr viele Menschen und ich mag, wie Menschen sein und was Menschen schaffen können, aber ich mag nicht alle Menschen und nicht alles, was Menschen schaffen.
Was mich antreibt, mich für eine bessere Welt zu engagieren, ist die tiefe Überzeugung, dass wir Menschen von unserer Veranlagung her das Potenzial haben, sehr viel friedlicher miteinander und mit unserer Umwelt, sehr viel glücklicher und sehr viel gesünder zu leben als wir es global gesehen tun.
Die Kluft zwischen der vagen Vorstellung, wie viel besser die Welt sein könnte, und meinem Verständnis davon, wie die Welt ist, ist so groß, dass es mir oft weh tut. Das ist für mich Weltschmerz. Ich mag das Wort und ich mag in Anbetracht der Beschissenheit der Welt, dass ich diesen Schmerz habe, denn er beruht aus meiner Sicht auf einem eigentlich sehr positiven Menschenbild und auf der Überzeugung, dass eine bessere Welt möglich ist.

Ich mag Natur.
Ich mag Natur als das, woher wir kommen und wovon, worin und womit wir leben. Ich sehe die Menschen nicht als jenseits, sondern als Teil der Natur. Aber ich mag Natur auch unabhängig von ihrem Wert für die Menschen, soweit ich das überhaupt sagen kann.
Ich mag zum Beispiel Bäume und ich mag Steine. Ich kann mich stundenlang für die unzähligen verschiedenen Formen der Schönheit von Bäumen und – wie auf dem Bild oben – von Steinen begeistern.
Ich mag nicht, was wir Menschen – manche sehr viel mehr als andere – mit der Natur machen.

Ich mag Zahlen.
Und Formeln. Und beides zusammen. Das soll heißen ich mag mathematisches Denken und das Analysieren und Visualisieren von Daten.
Diese nerdige Ader und mein Interesse an Umwelt- und Klimaschutz trugen entscheidend dazu bei, dass ich 2008 begann, Physik des Erdsystems zu studieren, und 2014 meine erste akademische Ausbildung mit einem Master in Klimaphysik abschloss.
Schon vor der Abgabe meiner Masterarbeit stand fest, dass ich eine wissenschaftliche Laufbahn einschlagen würde. Ich knüpfte also quasi nahtlos an als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand in einem Bereich, den ich als einen kleinen Teil der Erdsystem- und insofern auch der Klimaforschung aufgefasst habe.
Im Laufe des ersten Jahres meiner Promotion beschlichen mich immer stärkere Zweifel, ob die klimawissenschaftliche Laufbahn der richtige Weg für mich war. Denn so relevant ich das Thema Klimawandel und Klimakrise fand und nach wie vor finde, musste ich doch einsehen, dass der Wandel hin zu einer nachhaltigeren und schließlich klimaneutralen Welt sehr viel weniger mit den wissenschaftlichen bekannten Fakten zu tun hatte und sicher nicht am unzureichenden Kenntnisstand der Forschung scheiterte.
Trotzdem machte – so nahm ich es jedenfalls wahr – die klimawissenschaftliche Community im Wesentlichen das, was sie immer getan hatte. Forschen und publizieren und hier und dort mit Medien sprechen oder mal die Politik beraten und auf die Gefahren des Klimawandels hinweisen.
Ich konnte nicht begreifen, wie diese große Community von interelligenten und gut ausgebildeten Wissenschaftler*innen sich täglich mit einem Thema befassen kann, bei dem es global und in praktisch allen Ländern – und insbesondere in den wohlhabenden Ländern des globalen Nordens, die sich teure Forschung leisten können – so derartig schief läuft, als säße die Klimawissenschaft selbst gar nicht mit in dem Karren, dessen Fahrt sie beobachten, analysieren und für den sie prognostizieren, wann und mit welcher Geschwindigkeit er gegen die Wand fahren wird.
Mensch kann finden, das sei nun mal die gesellschaftliche Aufgabe der Wissenschaft. Und das Gestalten oder Erwirken politischer Maßnahmen sei es nicht. Ich konnte das nicht so sehen und fühlte mich dadurch fehl am Platze, denn mir war wichtig, mich mit meiner Arbeit als wirksam zu empfinden im Bezug auf einen kleinen Teil der Dinge, die meinen Weltschmerz verursachen.
(Damals gab es Scientists for Future noch nicht. Warum es erst Fridays for Future brauchte, damit sich die Wissenschaft ihrer gesellschaftlichen Verantwortung im Bezug auf die Klimakrise hinreichend bewusst wurde, um sich in einer solchen Form zu organisieren und hinter klimapolitische Forderungen zu stellen wie es S4F heute tun, ist für mich schwer zu verstehen.)